Unabhängige Daten-Clouds
Illustration von Florian Biege
Dein Terminkalender ist mehr als nur eine Liste von Verabredungen. Wenn Du Deine Termine und Kontakte bei den US-Big-Tech-Plattformen wie Apple, Google oder Microsoft pflegst, fütterst Du diese Konzerne mit Details über Deinen Alltag – und den Adressen Deiner Bekannten! Wenn Du Dir also die Kontrolle über Deine Termine und Kontaktdaten zurückholen möchtest, bist Du hier richtig.
Durch offene Standards („CalDAV“ und „CardDAV“ sind Formate, die nahezu alle Kalender und Adressbücher verstehen) bist Du nicht an einen einzelnen Anbieter gebunden: Deine befreiten Kontakte und Termine funktionieren nahtlos auf Linux (Wechselrezept Windows zu Linux), Windows, macOS, Android oder iOS.
Wir zeigen Dir in unseren Wechselrezepten einen einfachen Weg für den Abschied von Big Tech, aber es gibt auch andere. Um es Dir leicht zu machen, haben wir uns aber auf einen Weg, wenige Möglichkeiten konzentriert – ohne damit zu sagen, dass andere Möglichkeiten schlechter wären. Über die Kriterien für „gut“, „weniger gut“ und „schlecht“ lässt sich trefflich streiten: Uns geht es auf DI.DAY um einfache Wege für den Abschied von Big Tech (und nicht um Purismus oder reine Lehre). Bei unseren Entscheidungen berät uns unser Fachbeirat.
Auf folgender Seite findest Du eine Übersicht über die Alternativen:
für mehr Transparenz und Kontrolle über Dein Adressbuch und Deinen Kalender
bei einem Anbieter, der Deine Daten besser schützt
als Exporte im .ics- und .vcf-Format von Google, Apple oder Microsoft
auf dem Handy zum Beispiel DAVx5, auf dem Desktop-Computer Thunderbird - eine praktische „Brücke“, um Kontakte und Kalender über Gerätegrenzen hinweg zu synchronisieren
Entscheide Dich für eine Alternative, die zu Deinem Alltag passt:
Viele europäische Provider bieten datenschutzfreundliche (DSGVO-konforme) Datenwolken für Deine Kalender und Adressbücher an, einige sogar mit Umzugsservice: Du kannst frei wählen, beispielsweise Mailbox.org, Posteo, Proton, Disroot oder Tuta (Tuta ist aufgrund der Verschlüsselungstechnik auf dem Handy nur mit Tuta-App verwendbar). Wenn du ohnehin schon mit Deinem E-Mail-Postfach Kunde bist, nutze den Anbieter künftig auch für Kontakte und Kalender.
(Fortgeschrittene können für ihren Kalender die eigene Datenwolke nutzen – Nextcloud bietet ein eigenes Kalendermodul an, hier findest Du ein eigenes Wechselrezept).
Logge dich bei deinem alten Anbieter (Google/iCloud/Outlook) ein und exportiere deine Kalender als Datei (Dateiname endet meist auf „.ics“) sowie die Kontakte als vCard („.vcf“).
Der Ablauf ist ähnlich: Im Web‑Interface oder Programm den jeweiligen Kalender/Kontakte-Bereich öffnen, dann über Einstellungen/Mehr/Export eine Datei herunterladen.
Beispiel Google:
Kontakte als .vcf (Google Kontakte)
Egal, ob Kalenderdateien oder Kontakte: sie landen bei dir im Ordner „Downloads“
Lade die heruntergeladenen Dateien bei Deinem neuen Anbieter wieder hoch. Deine Termine und Kontakte sind nun in einem System eingebunden, das keine Daten sammelt.
Plane etwas Zeit für die Zubereitung ein, um dich mit der neuen Oberfläche vertraut zu machen.
Die Synchronisation über mehrere Geräte, beispielsweise zu Deinem Handy, läuft über offene Standards.
Auf Android-Telefonen kannst Du dafür die App „DAVx5“ herunterladen - kostenpflichtig über Google Play, kostenlos im alternativen App-Store F-Droid. DAVx5 ist die praktische „Brücke“, um Kontakte und Kalender über Gerätegrenzen hinweg zu synchronisieren (ausführliche Anleitung für DAVx5). Installiere die App, füge den Account von Deinem neuen Anbieter hinzu – und schon kommen Kalender und Kontakte auch auf dem Handy an.
Du kannst Deine Termine jetzt in jeder Kalender-App sehen – statt der Google-App empfehlen wir zum Beispiel Etar.
Für Apple-Telefone (iOS) brauchst Du keine App: In iOS kannst Du den Account beim neuen Kalenderbetreiber unter „Mail/Accounts → Account hinzufügen → Andere → CalDAV/CardDAV“ einrichten.
Auf dem Computer (Linus, Windows, Apple) kannst Du Kalender und Kontakte entweder im Browser (siehe Browser-Rezept) Deines Vertrauens pflegen oder ein Programm wie Thunderbird nutzen.
Eine ausführliche Wechselanleitung hat auch Mike Kuketz in seinem Blog geschrieben. Mailbox.org beschreibt den Wechsel für Neukunden ausführlich, die Universität Köln erklärt DAVx5.
Warum sich das Ganze lohnt: Offene Standards wie CalDAV sind plattformunabhängig und zukunftssicher, da sie nicht von einem einzelnen Konzern kontrolliert werden. Du bist nicht mehr darauf angewiesen, dass eine bestimmte Firma in zehn Jahren noch existiert, um auf deine Lebensplanung zuzugreifen.
And once you #DIDit – teile unseren Wechselpost und inspiriere andere dazu, ihre digitale Privatsphäre selbst in die Hand zu nehmen!
Die erste Wahl für vollständige Unabhängigkeit ist eine eigene Cloud wie die Nextcloud. Sie bietet neben einem vollwertigen Kalender oder einem Adressbuch noch viel mehr: Eine Heimat für Deine Dateien, Dokumente oder sogar Videokonferenzen. Nextcloud lässt sich leicht auf einem eigenen oder gemieteten Server betreiben. In unserem Wechselrezept findest Du Einzelheiten – und weitere Alternativen.