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Tschüss, ChatGPT - Chatbot-Alternativen

30 min Einfach
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Illustration eines kreativ angerichteten Reisgerichts, bei dem Linsen und Reiskörner ein stilisiertes Auge formen. Die Anordnung in grün erinnert an das Design aus dem Film ‚Matrix‘ und assoziiert gleichzeitig das Auge des Computers HAL aus ‚2001: Odyssee im Weltraum‘. Im Hintergrund sind frische Salbeiblätter und ein Löffel zu sehen. Illustration von Florian Biege

In dieser Küche gelten wichtige Regeln: Zwei europäische Verordnungen (Datenschutzgrundverordnung – DSGVO – sowie der EU AI Act) sind auch Dein digitaler Schutzschild. Sie sorgen dafür, dass unter anderem KI-Chatbots und -Systeme in Europa transparent und (relativ) sicher mit Deinen Daten umgehen müssen, während große US-Modelle oft wie eine „Black Box“ funktionieren. ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini oder andere US-Anbieter speichern Chats standardmäßig auf US-Servern und nutzen sie oft erneut für KI-Training. Nach der DSGVO ist das problematisch, weil keine ausreichende Rechtsgrundlage für die Datenübermittlungen in die USA besteht.

Wenn Dir das nicht gefällt und Du Wahlfreiheit gewinnen möchtest, bist Du in diesem Rezept richtig. Denn europäische Alternativen und lokale Lösungen bieten eine Umgebung, in der Du die Regeln zumindest mitbestimmst.

Alternative Zubereitungsarten

Wir zeigen Dir in unseren Wechselrezepten einen einfachen Weg für den Abschied von Big Tech, aber es gibt auch andere. Um es Dir leicht zu machen, haben wir uns aber auf einen Weg, wenige Möglichkeiten konzentriert – ohne damit zu sagen, dass andere Möglichkeiten schlechter wären. Über die Kriterien für „gut“, „weniger gut“ und „schlecht“ lässt sich trefflich streiten: Uns geht es auf DI.DAY um einfache Wege für den Abschied von Big Tech (und nicht um Purismus oder reine Lehre). Bei unseren Entscheidungen berät uns unser Fachbeirat.

Auf folgender Seite findest Du eine Übersicht über die Alternativen:

Zutaten

1 Grundsatzentscheidung

Brauchst Du für Deine Frage oder Dein Problem einen Chatbot, der deutlich mehr Energie verbraucht als eine Internetsuche (unser Rezept zur Internetsuche) oder ein Artikel bei Wikipedia?

1 Erkenntnis

Viele Chatbots, auch in Europa, gibt es nur, weil weil für ihr Training die Urheberrecht von Autor*innen, Künstler*innen und am Ende allen Internetnutzenden schwer missachtet wurden.

1 Abwägung

Willst Du dennoch einen Chatbot nutzen, vielleicht, weil er Dein Problem am besten lösen kann?

1 Prise Entdeckergeist und Neugier

für neue Chatbots.

Zubereitung

1 Einfach ausprobieren!

Du musst nichts installieren. Probiere einfach per Klick auf den Link bei Deiner nächsten Recherche oder beim nächsten Textentwurf einen dieser europäischen Chatbots aus:

Kommt aus Frankreich und fühlt sich fast an wie ChatGPT. Der Unterschied? Die Datenverarbeitung folgt europäischen Standards. Gut, um ein Gefühl für „KI made in Europe“ zu bekommen. Aber auch beim Training von Mistral wurden nach unserem Wissen Urheberrechte verletzt.

basiert auf einem europäischen Open Source Modell (von Mistral), dass Ecosia selbst bei OVH (größter europäischer Cloudanbieter) hostet. Ecosia sitzt in Berlin und unterliegt damit europäischen Datenschutzstandards (DSGVO). Ecosia speist nach eigenen Angaben mehr erneuerbaren Strom ein, als seine Suchen verbrauchen.

Von den Proton-Machern (siehe auch Rezepte zu E-Mail und Cloud) aus der Schweiz. Beschreibt sich als „datenschutzorientierte ChatGPT-Alternative“ mit allen bekannten KI-Funktionen. Garantiert nach eigener Darstellung, dass Nutzendendaten nicht gelesen, gespeichert oder für KI-Training oder Werbung verwendet werden. Kritik gibt es daran, dass viele Einzelheiten des Modells im Dunkeln bleiben (unter anderem hier).

ist ein selbstständiges, offenes Sprachmodell, das unter anderem Forschende aus der Schweiz entwickelt haben. Apertus läuft auf Amazon-Servern in der Schweiz – nach Angaben der Betreiber „fast so, als würden wir das Ganze auf einem Rechner in unserem Keller betreiben.“ Beim Netzwerk Public AI kann der Chatbot nach Registrierung (leider unter anderem über Google) kostenlos genutzt werden.

Gut, wenn Du Unterstützung beim Formulieren oder Übersetzen brauchst. DeepL korrigiert nicht nur, sondern macht Vorschläge für einen besseren Stil – direkt aus Köln. Also gilt auch hier europäischer Datenschutz, aber: In der kostenlosen Version werden Deine Eingaben wiederum für das Training der KI genutzt.

nutzt US-amerikanische KI-Modelle (wie Claude) und unterliegt damit auch Big-Tech-Regeln, verarbeitet Deine Fragen aber datenschutzfreundlich(er) auf vorwiegend deutschen (meist Telekom-)Servern. Angeblich sogar ausschließlich mit Öko-Strom.

Nachtisch

So etwas wie die KI-Campingküche für unterwegs: Dein Nachtisch ist lokal, die KI läuft direkt auf Deinem Computer. Kein Internet nötig, keine Datenübertragung an Dritte – und deutlich weniger Energieaufwand.

  • Lade Dir LM Studio oder Ollama herunter - das sind Programme, die wie ein „App Store“ für KI-Modelle funktionieren. Sie sind kostenlos und Open Source.
  • Das Modell wählen: Suche nach einem kleinen, effizienten Modell wie Mistral-7B und lade es herunter. Es läuft auch auf normalen Laptops relativ flüssig. Auch bei HuggingFace findest Du weitere Modelle.
  • Der erste Test: Trenne die Internetverbindung und stelle dem Chatbot eine Frage. Es ist ein magischer Moment, wenn Dein eigener Rechner plötzlich „denkt“, ohne dass ein Kabel nach außen führt.

Guten Appetit! Du hast einen riesigen Schritt zu mehr digitaler Unabhängigkeit gemacht.

And once you #DIDitteile unseren Wechselpost und inspiriere andere dazu, ihre digitale Privatsphäre selbst in die Hand zu nehmen!

Topping

Frei verfügbar ist ein Portal, das die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung (GWDG) vor allem für den wissenschaftlichen Bereich anbietet. Über chat-ai.academiccloud.de können Nutzende auf mehrere Chatbots zugreifen, von denen die meisten in Deutschland selbst betrieben werden. Zur Nutzung ist eine (kostenlose) Registrierung für die Academic Cloud erforderlich.

Der deutsche Schul-Chatbot Telli speichert Chatverläufe lokal auf EU-Servern, verwendet (und zahlt) aber US-Modelle: Anfragen werden verschlüsselt und Ergebnisse nur für Nutzende selbst zugänglich gemacht – selbst Schulbehörden haben keinen Zugriff. Die Anmeldung erfolgt pseudonymisiert, um Rückverfolgbarkeit zu verhindern.

Eine Graswurzel-KI entwickeln findige Programmierer mit offgpt.org – sie suchen weitere Unterstützung für ihren Verein.

Unternehmen können größere OpenSource-Modelle auch aus der Cloud von IONOS beziehen und nutzen: cloud.ionos.de/managed/ai-model-hub

Tutorials für die Nutzung von LeChat gibt es unter anderem hier: ein LeChat-Videokurs, eine kritische Analyse von Mistral, ein Blick auf andere Chatbots und ein KI-Kurs als Buch.


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