E-Bücher ohne Amazon
Illustration von Florian Biege
YouTube, Netflix und Amazon Prime dominieren die Wohnzimmer. Doch sie verderben uns den Appetit auf Unterhaltung durch datenhungriges Tracking, personalisierte Werbung und Algorithmen, die Suchtverhalten fördern können. Die Plattformen sperren uns als Nutzer:innen in geschlossene Ökosysteme ein – und ihre Streaming-Abos werden immer teurer.
Dabei bieten die Alternativen hochwertige, werbefreie Inhalte: Öffentlich-rechtliche Mediatheken wie ARD, ZDF oder ARTE bieten ihre beitragsfinanzierten Inhalte kostenlos an. Bibliotheken wie Filmfriend erlauben den Zugang zu Tausenden Filmen und Serien – fair bezahlt und ohne Algorithmen. PeerTube bietet eine dezentrale, community-basierte Alternative zu YouTube. Und wenn es doch YouTube sein muss: Mit NewPipe gibt es eine Open-Source-Alternative, die ohne Tracking und Werbung auskommt. Wenn Du Dich für Big-Tech-freies Streaming ohne Suchtfaktor entscheiden möchtest, bist Du in diesem Rezept richtig.
Wir zeigen Dir in unseren Wechselrezepten einen einfachen Weg für den Abschied von Big Tech, aber es gibt auch andere. Um es Dir leicht zu machen, haben wir uns aber auf einen Weg, wenige Möglichkeiten konzentriert – ohne damit zu sagen, dass andere Möglichkeiten schlechter wären. Über die Kriterien für „gut“, „weniger gut“ und „schlecht“ lässt sich trefflich streiten: Uns geht es auf DI.DAY um einfache Wege für den Abschied von Big Tech (und nicht um Purismus oder reine Lehre). Bei unseren Entscheidungen berät uns unser Fachbeirat.
Auf folgender Seite findest Du eine Übersicht über die Alternativen:
Probiere die Alternativen und lass Dich davon überraschen, wie schmackhaft das Angebot jenseits von Netflix & Co. ist.
Wenn Dir die Alternativen genauso gut schmecken wie uns, kündige probehalber Dein Big-Tech-Abonnement: Das geht ohne Probleme zum Ende jedes Monats (und Du kannst es erneuern, wenn Du doch nicht ohne Netflix & Co. auskommst).
Die Mediatheken von ARTE, 3sat, ARD, ZDF oder ORF bieten tausende Filme, Serien und Dokumentationen – vom Tatort bis zu preisgekrönten Dokus. Nutze die Suchfunktion mit Schlagworten wie „Dokumentation“, „Kino“ oder „Kinder“, um gezielt fündig zu werden. Alle Mediatheken haben zudem eigene Apps für Smart-TV, Smartphones und Tablets (iOS und Android). Noch einfacher werden Suche und Download durch die Software Mediathekview.
Auch andere Fernsehsender, darunter RTL und ProSieben/Sat.1 (mit Joyn – übigens auch mit ZDF-Inhalten), streamen online – allerdings oft mit mehr Tracking und Werbung.
Viele öffentliche Bibliotheken bieten kostenlose Streaming-Dienste an. Filmfriend ist dabei eine gute Wahl: Das Portal wird von über 860 Bibliotheken im deutschsprachigen Raum angeboten und umfasst aktuell rund 4.000 Filme und 222 Serien sowie thematisch geordnete Kollektionen. Das hervorragend kuratierte Angebot reicht von europäischen Produktionen über ambitionierte Dokumentationen bis hin zu Klassikern und aktuellen Arthouse-Filmen. Der Zugang ist einfach: Mit deinem Bibliotheksausweis kannst du dich unter filmfriend.de anmelden. Für Erwachsene ist der Bibliotheksausweis oft günstig, für Kinder und Jugendliche oft sogar (fast) kostenlos.
Neben Filmfriend bieten viele Bibliotheken auch die Onleihe an, wo Du außer Filmen auch E-Books und Hörbücher streamen kannst.
Falls Du Arthouse, Klassiker oder internationale Filme suchst, gibt es weitere empfehlenswerte Dienste. Das kostenpflichtige Mubi versteht sich als „Film-Kurator“ und bietet auch Social-Features wie Bewertungen und Diskussionen an.
Für Dokumentarfilm-Fans ist Dok-at-Home ein weiteres Lieblingsgericht. Die gemeinsame Streaming-Plattform verschiedener deutscher und internationaler Dokumentarfilmfeste bietet auch Talks von den Festivals mit Frage- und Antwort-Streams mit Schauspieler*innen oder Regisseur*innen.
Öffentlich-rechtliche Mediatheken sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzbar. Filmfriend ist nur mit einem Bibliotheksausweis aus dem deutschsprachigen Raum zugänglich, eine amerikanische Version gibt es unter MyFilmfriend.
Als dezentrale, algorithmusfreie Alternative zu YouTube gibt es PeerTube: ein Netzwerk aus Open-Source-Videoportalen, betrieben von meist Ehrenamtlichen weltweit, das auf dem offenen Protokoll ActivityPub basiert – ähnlich wie Mastodon für Kurznachrichten (siehe Wechselrezept Mastodon). PeerTube ermöglicht es sogar, eigene Mediatheken öffentlich anzubieten („Instanzen“) und sich mit anderen zu verbinden.
Nutzer:innen aus dem Fediverse (z. B. Mastodon) können PeerTube-Kanälen folgen (also Anbieter*innen abonnieren) und Videos kommentieren. Wichtig ist dieser rechtliche Hinweis: Die sogenannte „Peer-To-Peer-Technologie“ reduziert die Serverlast, macht aber theoretisch jeden Zuschauenden auch zum „Veröffentlichenden“. Bei urheberrechtlich geschützten Inhalten kann das ein Abmahnrisiko bergen – lässt sich aber in den Einstellungen deaktivieren.
Eine der größten Peertube-Mediatheken ist FramaTube (vom Peertube-Entwickler Framasoft betrieben), eine gute Übersicht gibt es unter joinpeertube.org/instances. Auch Save Social hat die Videos der 2mr-Konferenzauch auf einem eigenen Peertube-Server veröffentlicht. PeerTube ist weltweit nutzbar – je nach Instanz. Ob Downloads erlaubt sind, hängt von der jeweiligen Instanz ab.
Wenn es nicht anders geht, musst Du nicht komplett auf YouTube verzichten - Du kannst YouTube aber um Deine Daten bringen:
Mit NewPipe kannst du YouTube-Inhalte auf Android ohne Werbung und Tracking nutzen. Die kostenlose Open-Source-App ruft die YouTube-Inhalte ohne Google-Datenzugriff ab Sie bietet Hintergrundwiedergabe, Downloads für die Offline-Nutzung, einen Pop-up-Player und unterstützt sogar RSS-Abos für Kanäle. Zudem funktioniert NewPipe auch mit SoundCloud, PeerTube oder Bandcamp.
NewPipe ist nicht im Google Play Store verfügbar, weil es gegen die Nutzungsbedingungen von Youtube verstößt. Du kannst die App aber problemlos über alternative App-Anbieter wie F-Droid oder GitHub herunterladen. Die Nutzung ist legal, weil NewPipe nur die öffentliche YouTube-Website ausliest und keine Paywalls umgeht. NewPipe funktioniert überall, wo YouTube verfügbar ist. Du kannst auch YouTube-Videos für die Offline-Nutzung herunterladen.
Falls du YouTube lieber im Browser nutzen möchtest, ist Invidious eine gute Alternative. Dabei handelt es sich um ein dezentrales YouTube-Frontend ohne Tracking und Werbung. Einige Beispiel-Instanzen sind invidious.flokinet.to oder yewtu.be.
And once you #DIDit – teile unseren Wechselpost und inspiriere andere dazu, ihre digitale Privatsphäre selbst in die Hand zu nehmen!
Wie erfolgreich Peertube sein kann, zeigt ein tolles Projekt: Seit März 2026 bietet FunFacts montags bis freitags 15-minütige Nachrichtenformate als Video und Audio-Podcast an – immer um 22:30 Uhr auf funfacts.de und dem eigenen Peertube-Server. Mit dabei sind unter anderem Save-Social-Unterstützer Marc-Uwe Kling sowie Sarah Bosetti, Karoline Herfurth, Claus von Wagner und Max Uthoff sowie Wissenschaftler:innen wie die Psychologin Maren Urner.
FunFacts verbindet Humor mit Fakten, um Aufklärung unterhaltsam und einprägsam zu gestalten immer mit dem Ziel: „Humor, Haltung und Hoffnung“ statt „Hetze, Heuchelei und Hass“.
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